Bereits im Jahre 1949 wurde die Frage des gerichtsärztlichen Dienstes in der damaligen DDR vor den Amtsärzten behandelt mit der Empfehlung, die Prosekturen der Krankenhäuser für gerichtliche Obduktionen auszubauen. Gerichtsmedizinische Institute existierten nur an den Universitäten oder medizinischen Akademien. Die Einschätzung namhafter Gerichtsmediziner, dass die gerichtsärztliche Versorgung der Bevölkerung in den Bezirken ohne Universitätsinstitut nicht ausreicht, führte 1979 zur Erarbeitung einer "Konzeption zum Aufbau des gerichtsmedizinischen Dienstes in der Bezirken der DDR". Neben den neu gegründeten Bezirksinstituten für gerichtliche Medizin in Schwerin, Potsdam, Frankfurt/Oder, Suhl und Gera wurde im damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt eine solche Einrichtung gegründet und Dr. med. V. Hofmann am 01.09.1981 zu deren Direktor berufen. Die erste Obduktion wurde am 18.10.1981 in einem provisorisch eingerichteten Sektionsraum in der Rembrandtstraße 6 vorgenommen.
Parallel zum Aufbau der forensischen Morphologie (zwei Ärzte, ein Sektionstechniker)
wurde im Frühjahr 1982 in der Nähe des Sektionsraumes mit dem Aufstellen
eines Schreibtisches und eines Labortisches die Abteilung forensische Toxikologie
aus der Taufe gehoben. Hauptaufgabe dieser kleinen Abteilung (ein Chemiker,
eine Laborantin) war die Blutalkoholanalytik, zunächst nur in Leichenbluten,
später dann in Blutproben von Verkehrsteilnehmern u. a. Personen.
Ein Teil des Bezirksinstitutes war bis 1984 noch in einem Wohnhaus in der Annaberger
Straße untergebracht, danach fanden alle Bereiche des schon auf 21 Mitarbeiter
gewachsenen Institutes ihr Domizil in den Räumen der ehemaligen Unfallklinik
in der Rembrandtstraße 6. Schrittweise erfolgte der Ausbau der toxikologischen
Abteilung und mit Einführung der Hochdruckflüssigkeitschromatographie
im Jahr 1987 und der Kapillargaschromatographie im Jahr 1988 waren ab Ende 1988
externe Untersuchungen bei Arzneimittelintoxikationen nicht mehr erforderlich.
Die Einstellung vier weiterer Ärzte zwischen 1983 und 1985 zur Facharztausbildung
gestattete es, 1985 mit einem gerichtsärztlichen Bereitschaftsdienst und
der körperlichen Untersuchung lebender Personen zu beginnen. Ein Labor
zur Untersuchung humanbiologischer Spuren wurde 1987 eingerichtet. Im Januar
1990 beschäftigte das Bezirksinstitut für Gerichtliche Medizin Karl-Marx-Stadt
46 Mitarbeiter und hatte damit den höchsten Personalbestand erreicht.
Nach der Vereinigung beider deutscher Staaten war das Institut noch bis Januar
1991 eine nachgeordnete Einrichtung der Abteilung Soziales und Gesundheit bei
der Bezirksverwaltungsbehörde Chemnitz, gefolgt von einem Jahr Zuordnung
am Staatsministerium für Justiz. Ab dem 01.01.1992 gehörte die Einrichtung
als Abteilung Rechtsmedizin zur Landesuntersu-chungsanstalt für das Gesundheits-
und Veterinärwesen Sachsen am Institut Chemnitz. Das Institut erhielt nach
der Wende eine moderne gerätetechnische Ausstattung. Auch die Unter-suchungsanforderungen
wandelten sich teilweise. Die toxikologische Abteilung bekam als neues Arbeitsgebiet
den Nachweis von Drogenwirkstoffen in Feststoffproben und biologischen Prüfmaterialien.
Das DNA-Labor begann 1993 mit der Erstattung forensischer Gutachten.
Am 01.03.1992 wurde Dr. med. habil. Dr. rer. nat. W. Gabler als Leiter der Abteilung
Rechtsmedizin eingesetzt. Seit 1996 sind am Institut 26 Mitarbeiter beschäftigt.
Im Dezember 1995 zog die Abteilung Rechtsmedizin in die Räume der ehemaligen
Tierklinik in der Dresdner Straße 183 ein, obduziert wurde noch in den
alten Sektionsräumen in der Rembrandtstraße 6 - mit Fertigstellung
des Sektionssaalneubaus im Frühjahr 1998 war die Einrichtung dann komplett
in die Dresdner Straße umgezogen.

Zum 01.01.1997 wurde die Rechtsmedizin in Chemnitz der Universität Leipzig
beigeordnet und Außenstelle des Institut für
Rechtsmedizin der Universität Leipzig.
OA Dr. med. K.-H. Thiele
(komm. Direktor)