Institut für Rechtsmedizin

	Literaturempfehlungen 1

 

Wir möchten Ihnen auf dieser Seite in jedem Quartal ein Buch vorstellen, dass sich in besonderer Weise mit rechtsmedizinisch relevanten Themen auseinandersetzt.

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Empfehlung für das 4. Quartal 2003:

Cornwell, Patricia: "Brandherd", Goldmann Verlag

Dr. Scarpetta, die Hauptperson des Buches, ist Rechtsmedizinerin in Virginia mit Verbindungen zum FBI. Wenn sie zur Leichenschau geholt wird, liegt Spannung in der Luft.
Ein Riesenfeuer und eine verbrannte Frauenleiche, deren Identität noch ungeklärt ist, wird Anlass für eine Gerichtsmedizinische Obduktion. Spurensicherung, Leichenuntersuchung und Begleitanalysen werden ins kleinste Detail beschrieben, man verspürt förmlich den Geruch der Leiche..... Und die Spannung steigt als erneut ein Feuer ausbricht, und es wieder eine Frauenleiche zu obduzieren gibt.
Patricia Cornwell erklärt auf professionelle Weise wie Spurensuche und -sicherung vor sich geht und wie man Ähnlichkeiten zwischen mehreren Verbrechen finden kann, auch wenn die Leichen bis ins Unerkenntliche verstümmelt oder verbrannt sind.
Ein empfehlenswertes Buch, das man erst weglegen kann, wenn es durchgelesen ist.

I. V. Koren

Empfehlung für das 3. Quartal 2003:

Benecke, M.: "Mordmethoden", Lübbe Verlag

Ein weiteres Buch aus der Feder des "Maden-Doktors"...
Mark Benecke, Kriminalbiologie und Spezialist für forensische Entomologie, läßt die bekanntesten und spektakulärsten Verbrechen des vergangenen Jahrhunderts Revue passieren und entwickelt seine eigenen Theorien zu Fällen wie "Charles Lindbergh", Alfred Heineken", "O.J.Simpson" u.a. In fesselnden Darstellungen nimmt er den Leser an die jeweiligen Tatorte sowie die Fundorte der Leichen mit und läßt ihn bei der Leichenschau assistieren. Er zeigt ihm, wie anhand von Insekten und anderen Kleinstspuren Todeszeit, Todesart und Todesursache von mutmaßlichen Verbrechensopfern bestimmt werden können. Dabei schöpft er aus seinem umfassenden Erfahrungsschatz und zeigt die neuesten Entwicklungen naturwissenschaftlicher Kriminalistik auf.

B. Gahr

Empfehlung für das 2. Quartal 2003:

Musolff,C. und Hoffmann, J.: "Täterprofile bei Gewaltverbrechen. Mythos, Theorie und Praxis des Profilings", Springer Verlag

Dieses übersichtlich und benutzerfreundlich gestaltete Werk gewährt auf einzigartige Weise Einblicke in neue Methoden der Ermittlungspraxis und der Fallanalyse.
Zu Beginn wird in einem geschichtlichen Überblick dargestellt, wie, angefangen bei den Spezialagenten und Verhaltensforschern des FBI in den späten 70er Jahren bis hin zur aktuellen Projektgruppe des BKA, ein wissenschaftlicher Fundus an speziellen Theorien und Methoden entstand, dessen sich heute Profiler in aller Welt bedienen.
Bei der weiteren Lektüre erfährt der Leser, wie in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Kriminologen, Psychologen, Psychiatern und Rechtsmedizinern erstellte Analysen von Tatorten, Verletzungsarten und Gewaltspuren dazu beitragen, Rückschlüsse auf bestimmte Tätermerkmale zu ziehen. Zahlreiche Fallbeispiele lockern dabei die anspruchsvolle Theorie auf, wobei die prägnanten Erklärungen der im Text erwähnten Fachbegriffe aus den Bereichen Kriminologie, Psychologie, Psychiatrie, Genetik und Medizin den Inhalt auch für interessierte Laien verständlich macht.
Die Herausgeber haben es verstanden, durch Einbezug namhafter Autoren und Fachleute und Beleuchtung des Themas aus unterschiedlichen Perspektiven, eine sachliche und umfassende Darstellung des Profilings zu präsentieren. Die detaillierte Vorstellung des wissenschaftlichen Arbeitens der Profiler hilft außerdem, mit dem Gerücht aufzuräumen, Profiling habe auch nur im Entferntesten mit den bekannten Fernseh- und Kinomythen zu tun.

B.Gahr

 

Empfehlung für das 1. Quartal 2003:

Beine, Karl-Heinz: Sehen Hören Schweigen, Lambertus Verlag, 1998

Der geneigte Leser bekommt mit diesem Buch eine Übersicht sämtlicher bekannt gewordener Fälle von Patiententötungen bis 1997. Zunächst findet sich eine lose Aneinanderreihung der 28 Fälle, zum Teil inklusive sorgfältig recherchierter Informationen zu Umfeld und Persönlichkeit der Täter sowie zum Verlauf der Gerichtsverhandlungen. Im zweiten Teil erfolgt die Analyse und Auswertung des umfangreichen Datenmaterials. Dabei werden überraschende Gemeinsamkeiten bei Tätern, Opfern und im Arbeitsfeld der Täter offensichtlich, die das Buch unbedingt lesenswert machen. Das Buch schließt mit einer empirischen Untersuchung zur Einstellung der Allgemeinbevölkerung und der Heilberufe in Deutschland zur aktiven Sterbehilfe - vor dem aktuellen Hintergrund der niederländischen Regelung eine hochinteressante Studie. Abschließend werden dem Laien in einem Glossar die wichtigsten themenbezogenen, medizinischen Fachbegriffe erklärt.

M. Weber

 

Empfehlung für das 4. Quartal 2002:

Herber, Friedrich: Gerichtsmedizin unterm Hakenkreuz, Militzke Verlag, 2002

"Inwieweit aber war die gerichtliche Medizin dem NS-Regime dienstbar und inwieweit waren Gerichtmediziner Freunde dieses Regimes?"

Als Buch des Quartals möchten wir Ihnen die Anfang dieses Jahres erschienene "Gerichtsmedizin unterm Hakenkreuz" empfehlen, sofern Sie mit der Geschichte des Nationalsozialismus im wesentlichen vertraut sind und die gerichtliche Medizin als "enzyklopädisches Fach" verstehen. Ferner sollten Sie sich nicht wundern, wenn Sie gegen drei Uhr nachts bemerken, dass Sie sich in einem Geschichtsbuch festgelesen haben. Kurz: Ein spannendes, intellektuell anspruchsvolles Werk, das neben bemerkenswerten Biografien zwischen Politik und ärztlicher Ethik hin- und hergerissener Mediziner Einblick in zwölf bedeutende Jahre gerichtlicher Medizin bietet. Der "Versuch, eine Lücke auszufüllen" (so der Titel von Kapitel 1 des Buches) ist gelungen. Dank an Friedrich Herber, der fast 40 Jahre unserem Leipziger Institut angehörte, für dieses Zeugnis jahrzehntelanger Recherche und meisterlicher Erzählkunst.

U. Böhm

 

Empfehlung für das 3. Quartal 2002:

Hettche, Thomas

Der Fall Arbogast

"Kriminalroman" wurde der neue Roman von Thomas Hettche ausdrücklich untertitelt, womit die Abteilung Literatur im DuMont Verlag ein deutliches Zeichen für die neue "Gesellschaftsfähigkeit" des Genres gesetzt hat. Doch um einen konventionellen Krimi nach herkömmlichem Strickmuster handelt es sich bei dem vorliegenden Text keinesfalls, obwohl eine Frauenleiche und ein Indizienprozess gegen den Tatverdächtigen die Ausgangspunkte des Geschehens bilden. Vielmehr ist Hettche ein großartiges und verstörendes Kammerspiel um Möglichkeiten und Grenzen der modernen Justiz gelungen, das den Leser zutiefst beunruhigt zurücklässt.
Der Geschäftsreisende Hans Arbogast gabelt an einem Septemberabend des Jahres 1953 eine Anhalterin auf. Noch am gleichen Abend schlafen die beiden heftig miteinander und plötzlich ist die junge Frau tot. Arbogast legt die Leiche am Straßenrand ab und kehrt nach Hause zurück. Kurze Zeit später meldet er sich bei der Polizei, die um Mithilfe der Bevölkerung gebeten hatte. Arbogast verwickelt sich zunehmend in Widersprüche, wird einem harten Verhör unterzogen und gesteht die Tat. Das Gerichtsverfahren nimmt durch das Gutachten des renommierten Gerichtsmediziners Maul einen überraschenden Verlauf -- aus Totschlag wird die Anklage Sexualmord. Arbogast wird zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Vierzehn Jahre später rollen der Journalist Sarrazin und der Anwalt Ansgar Klein den Fall erneut auf. Eine zentrale Rolle bei der Wiederaufnahme spielt das neue Gutachten der Ostberliner Gerichtsmedizinerin Katja Lavans, die im Prozessverlauf ein besonderes Verhältnis zu Arbogast entwickelt.

Hettche gestattet sich keine Verurteilung oder Heroisierung seiner Protagonisten, sondern zeigt den Fall in bedrohlich gleichförmigem und zurückgenommenem sprachlichen Duktus aus unterschiedlichen Perspektiven. Hier liegt der Kern der atemlosen Spannung, die sich für den Leser bis zum Finale stetig steigert. Beeindruckend ist vor allem die Schilderung der psychischen Veränderungen Hans Arbogasts durch jahrelange Haft. Nichts wird am Ende aufgelöst, einzig die Grenzen der Justiz und deren gefährliche Macht führt Thomas Hettche in seinem großartigen Roman eindeutig vor Augen. --Ulrich Deurer, amazon.de - Redaktion

Anmerkung: Dieses Buch ist aus rechtsmedizinischer Sicht besonders interessant, da sich der Fall tatsächlich in Deutschland ereignet hat.

 

Empfehlung für das 2. Quartal 2002:

Geserick, Gunther; Vendura, Klaus; Wirth, Ingo
Zeitzeuge Tod

Die Hemmschwelle für Gewalttaten bis hin zum Mord sinkt immer mehr. Die forensische Medizin hilft, den Tatvorgang zu klären und den Täter zu überführen. Auch Serienmorde, politische Morde und Selbstmorde fallen in ihr Gebiet.

Die Entwicklung der Gerichtsmedizin im 20. Jahrhundert wird anhand von spektakulären Fällen aus den Archivbüchern des Instituts für Rechtsmedizin der Charité zu Berlin geschildert. Begonnen hatte das Institut als Berliner Leichenschauhaus zur Identifikation von unbekannten Leichen (bis 1930). Von der Uhlenhuthschen Reaktion, die Menschen- und Tierblut unterscheidet, bis zur heutigen
DNA-Analyse konnten die Ergebnisse immer stärker differenziert werden. Der Leser lernt die verantwortungsvolle Arbeit der Obduzenten kennen, folgt ihren Überlegungen und abschließenden Bewertungen.

Bekannte Namen begegnen ihm: Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Walther Rathenau, Klaus Bonhoeffer (Kreisauer Kreis), Vincenz Müller und Dean Reed.

Die Beschreibung der meist grauenhaften Vorgänge wechselt ab mit medizinhistorischen und gerichtsmedizinischen Darstellungen. Hautnah erlebt der Leser die deutsche Geschichte vom Kaiserreich über die Weimarer Republik, die NS-Zeit und die DDR. Das brisante Thema wurde von den Autoren in packender Weise aufbereitet.

Maja Rehbein aus Deutsches Ärzteblatt 99, Heft 7 vom 15.02.02, Seite A-451 www.aerzteblatt.de

 

Für das 1. Quartal 2002 empfehlen wir drei Romane der forensischen Anthropologin Kathy Reichs, die neben einem spannenden Plot für den rechtsmedizinisch Interessierten allerlei Details der forensischen "Knochenkunde" bieten. Der Krimi "Tote lügen nicht" erklärt beispielsweise genau, welche Spuren die verschiedensten Sägen in Knochen hinterlassen. Gerade das Richtige für die Semesterferien!

 

Empfehlung für das 4. Quartal 2001:

Brian Innes: Leichen sagen aus. Pabel-Moewig Verlag KG, 2001

Neu auf dem Buchmarkt und noch nicht vergriffen ist das Buch "Leichen sagen aus" von Brian Innes. Kurzweilig und trotzdem recht umfassend werden neben 100 meist bekannten, spektakulären Fällen viele gerichtsmedizinische und kriminaltechnische Methoden erläutert. Sie erfahren etwas über den Fall O.J. Simpson, den Fall Napoleon Bonaparte und auch über den Versicherungsbetrug des Kurt Tetzner, ein Fall, zu dessen Lösung der Gründer unseres Leipziger Institutes, Professor Richard Kockel, maßgeblich beigetragen hat. Für unsere Kursstudenten beonders zu empfehlen sind die Kapitel über Zeichen des Todes und über späte Leichenerscheinungen. Und nicht zuletzt für alle, die sich gern ein wenig gruseln: Das Buch ist reich bebildert!

U. Böhm

Empfehlung ür das 3. Quartal 2001:

Manfred Oehmichen, Gunther Geserick (Hrsg.)

Osteologische Identifikation und Altersschätzung

Verlag Schmidt - Römhild

Im vorliegenden Buch wird eine Übersicht über den augenblicklichen Stand der Forschung auf dem Gesamtgebiet der forensischen Osteologie gegeben, mit einer Vielzahl an interdisziplinären Beiträgen, die weit über rechtsmedizinische Fragen hinaus von Interesse für Anthropologen, Archäologen, Historiker, Anatomen, Pathologen, Radiologen und Molekularbiologen sein dürften. Aktuell aber ist vor allem die Problematik der Altersschätzung Lebender, wozu eine inhaltliche und methodische Aufarbeitung vorgelegt wird.

Rezension des Verlages

 

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Empfehlung für das 2. Quartal 2001:

Fred Sellin, Klaus Weber
Todesursache: NATÜRLICH

Warum die meisten Morde unentde
ckt bleiben
Rowohlt Taschenbuch Verlag

Den Autoren gelang es durch intensive Recherchen, Literaturstudium, Interviews mit Staatsanwälten, Polizisten und Medizinern eine Reihe von Kriminalfällen, die als natürlich oder nicht aufgeklärt deklariert waren, ans Tageslicht zu bringen und somit die Wahrheit zu Tage zu fördern. Es wird über Fälle der letzten 15 Jahren aus der Mitte unserer Gesellschaft berichtet, die durch unqualifizierte Leichenschauen und verzögerte Ermittlungsarbeiten zu spät oder nicht als Tötungsdelikte erkannt wurden. Einzelne Fälle sind systematisch gegliedert, enthalten eine chronologische Abfolge des Geschehens und fördern zum Schluß die Wahrheit zu Tage. Kritisch muss jedoch angemerkt werden, dass einige Fakten zur Sektionstechnik und inhaltliche Angaben zu wissenschaftlichen Mitarbeitern nicht richtig dargestellt wurden. Dieses Buch gibt dem Arzt die Möglichkeit, aus vergangenen Fehlern zu lernen und zu verhindern, dass erneut Täter die Möglichkeit zum unentdeckten Töten - wie im Bremerhavener Fall - haben, und Leichenschauen sorgfältiger durchzuführen.

J. Bertolini

 

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